Bonsai

Bonsai – dieses kurze Wort ruft die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. Von „das ist uns viel zu teuer“ über „ach – die japanischen Krüppelbäume“ bis hin zu „die Dinger, die durch Draht klein gehalten werden“.

Alle diese Aussagen sind falsch und zeugen davon, wie wenig noch immer über diese 2500 Jahre alte Beschäftigung, die in geradezu idealer Weise Kunst, Philosophie und Naturverständnis verbindet in Deutschland bekannt ist.

Um das Bonsaihobby zu betreiben, muss man weder Japaner noch Buddhist oder Millionär sein. Wer einen grünen Daumen hat und mit Zimmerpflanzen oder in seinem Garten gut zurechtkommt, wird auch die Pflege von Bonsai bald beherrschen. Es ist jedoch – wie eigentlich bei jedem ernsthaft betriebenen Hobby – ratsam, sich vor der Anschaffung einen Bonsai ausreichend zu informieren. Viele Fachhändler, aber auch die über ganz Deutschland verteilten mehr als 100 Arbeitskreise, die sich im Bonsai-Club Deutschland e.V. organisiert haben, bieten Kurse an, in denen man sich mit den Grundlagen des Hobbys theoretisch und praktisch vertraut machen kann. in der Region Magdeburg helfen Ihnen dabei die Mitglieder der „Bonsaifreunde Magdeburg“.

So vorbereitet, bleibt auch einem Anfänger das Schicksal desjenigen erspart, der anstatt im Fachhandel in einem Blumenladen, einem Gartencenter oder gar im Versandhandel einen „Bonsai ersteht: eine möglichst über und über mit Draht (der oft auch noch tief in die Rinde eingewachsen ist), verzierte“ Mädchenkiefer o.ä.. Nach Zahlung des häufig stolzen Preises wird der Baum – da die Beratung leider oft zu wünschen übrig lässt – aus Unwissenheit im Wohnzimmer aufgestellt, denn 1. soll ja jeder Besucher den teuren Baum sehen und 2. ist er dort vor den Unbilden des Wetters geschützt. Bei dieser Behandlung hat der Baum nach spätestens drei Monaten keine Nadeln mehr.

Jetzt ist das Vorurteil bestätigt Bonsai sind sehr teuer und unheimlich schwer zu pflegen.

Dabei hätte bei etwas Information das Debakel vermieden werden können. Die meisten der im Handel befindlichen Bonsai unterscheiden sich in nichts von ihren großen Brüdern in unseren Wäldern. D.h., dass Kiefer, Buchen, Ahorne, Eichen usw. im Freien gehalten werden müssen (!) und höchstens für wenige Tage oder besser noch Stunden in die Wohnung genommen werden können.

Wer Bonsai selber machen will ist mit „Rohlingen“ oder „Prebonsai“ aus Fachhandel, Baumschule oder seriösem Internethandel gut beraten.

Es besteht auch die Möglichkeit sogenannte Yamadori (Findlinge) zu benutzen. Das sind Bäumchen aus der Natur die durch gewisse Einwirkungen (z.B. Schneelast im Winter, Wildverbiss oder unwirtlichen Standort) entsprechend kleinwüchsig und „verformt“ sind. Um diese zu Erkennen und heil zu entnehmen, bedarf es sowohl einer ausgeprägten Fachkunde und Erfahrung, als auch einer entsprechenden Genehmigung.

Bei größerem Interesse am Thema ist es sehr hilfreich einem lokalen Bonsaiarbeitskreis beizutreten. Oft besteht hier auch die Möglichkeit günstig an Materialien zu kommen und Tipps von echten Profis live und direkt zu bekommen.

Mögliche Arten: Laubbaum:

Hainbuche, Rotbuche, Feldahorn, Weißdorn Arten, Erlen, Eschen, Linden, Eichen, Baummyrten, kleinblättrige Kirsch Arten z.B. Prunus spinosa, fast alle Obstgehölze, Wildobst, Obstziergehölze, Zierquitte, Ligusterarten, Berberitze, Azaleen, manche Zierstraucharten, diverse Heckengehölze…

Nadelbaum:

Eibe, Fichte, Kiefer, Wacholder, Lärche, Muschelzypresse, Thuja…

Substrat & Schale

Eine Bonsaischale sollte immer min. ein großes, wenn nicht mehrere Ablauflöcher für überschüssiges Gießwasser bieten. Staunässe ist für fast alle Arten tödlich.
Am Anfang kann man auch eine Anzuchtschale, einen Teichpflanzkorb, eine flachere Blumenschale oder einen abgeschnittenen Blumentopf verwenden. Ziel ist es bei den meisten Gestaltungen einen flachen Wurzelballen mit vielen ästhetischen Seitenwurzeln und Feinwurzeln zu bekommen. Später wenn unser Bonsai „fertig“ ist bekommt er eine Schale passend zur Gestaltungsart und Größe.

Das Substrat muss aus Kornfrakturen, möglichst mit der Körnung 4-8 mm bestehen. (Tongranulat/Blähschiefer/Bimskies/Lava…) Es muss einigermaßen beständig, möglichst leicht und Wasser aufnahmefähig sein. Die Komponenten können gemischt werden. Es können organische Materialien wie grober Weißtorf, Torf, oder Kokossubstrat beigemischt werden. Etwa 20%. Wenn man Blähton/-schiefer verwendet, welcher sehr Wasser aufnahmefähig ist, genügt es die Wurzeln nach dem ausstopfen/graben im abgebrausten Zustand mit trockenem Weißtorfsubstrat zu bestreuen und dann in die pure Körnung zu setzen. Für die meisten Bäume ist es jedoch sinnvoll das Tongranulat z.B. mit Bims u. Split noch durchlässiger zu machen. Das organische Substrat sollte möglichst keine Feinanteile enthalten. Es geht um die Sauerstoffversorgung der Wurzeln.

Gießen

Es wird im Sommer bei höheren Temperaturen häufiger gegossen, fast täglich. Bei Regenwetter, wenn der Regen die Bäume direkt erreicht, kann man sich das Gießen häufig sparen. Wichtig ist das die Wurzeln nie ganz austrocknen dürfen, insbesondere bei Laubbäumen. Nadelgehölze vertragen am ehesten kurzzeitige Trockenheit. Bei einem gut durchlässigen Substrat lieber einmal zu viel als zu wenig gießen.

Düngen

Während des Winters wird nicht gedüngt, ausschließlich unmittelbar vor und während der Wachstumsperioden (i.d.R. von März bis Oktober). Ob man chemischen oder organischen Dünger verwendet ist weitgehend egal, Hauptsache die Hauptnährelemente NPK können einigermaßen ausgeglichen zu Verfügung gestellt werden, sowie die ganze Palette der Spurenelemente.
Hierbei muss evtl. auf die jeweilige Art genauer abgestimmt werden.

Standort

Den besten Standort für Ihre Bonsai bestimmen mehrere Faktoren (regionales Klima, Jahreszeit, Baumart etc.). Das Beste ist, genau zu wissen, welche Baumart man hat und dafür dann spezielle Informationen zu suchen. Als Faustregel kann man sich merken:

Die meisten Outdoor-Bonsai stehen am besten an einem hellen Standort, im Halbschatten und windgeschützt. Auch Indoor-Bonsai stehen am besten hell, einige Arten bevorzugen jedoch so viel Sonne wie möglich, während andere besser im Halbschatten gedeihen.

Der Schnitt

Während der Gestaltung eines Bonsais sollte man von der grundlegenden Form des Baumes ausgehen und versuchen Sie keine allzu drastischen Veränderungen herbeizuführen. Als erstes sollten Sie die Vorder- bzw. Ansichtsseite festlegen. Von dieser ausgehend müssen Sie sich gut überlegen welche Äste und Zweige entfernt werden müssen, um das allgemeine Erscheinungsbild des Baumes zu verbessern. Es ist weiterhin wichtig den Baum regelmäßig in Form zu schneiden. Nur so erreichen Sie eine dichte, üppige Belaubung, eine Feinverzweigung der Krone und erhalten den Baum in seiner Form.

Drahten

Das Drahten ist ebenfalls eine sehr wichtige Technik zum Formen und Gestalten von Bonsai-Bäumen. Dabei werden Äste mit Kupferdraht umwickelt und anschließend in die gewünschte Richtung gebogen. Der Draht hält den Ast so lange in Form, bis dieser von selbst die gewünschte Ausrichtung, Biegung oder den Winkel annimmt. Nach ungefähr 2 bis 4 Monaten können Sie den Draht entfernen und, falls nötig, den Prozess wiederholen. Die Dicke des Drahtes sollte 1/3 der Dicke des Astes entsprechen und beim Anlegen dem Winkel von 45° betragen. Achten Sie stets auf einwachsenden Draht, der umgehend entfernt werden sollte.